Rezensionen

Im Zentrum von Isabella Paiers Bildern steht die Frau in ihrer inneren Befindlichkeit - mit all ihren Empfindungen, Sehnsüchten und ihrer Sinnlichkeit.

Die Protagonistinnen - meist Mädchen an der Schwelle zur erwachsenen Frau - scheinen dem Betrachter vertraut aus dem alltäglichen Umfeld, von Plakaten, aus Mode- und Lifestyle-magazinen, dem Fernsehen oder Internet. Abgelenkt durch diese scheinbare Vertrautheit offenbart sich erst auf den zweiten Blick die Ambivalenz, die den Darstellungen zu Grunde liegt. Diese Frauen absentieren sich von jeglicher Kommunikation, sie haben sich in ihre Privatsphäre zurückgezogen, sind mit sich selbst alleine in ihrer eigenen Welt und wirken wie Schauspielerinnen nach ihrem Auftritt, wenn die Maske fällt. Sie befinden sich in einem scheinbar unbeobachteten Moment, in dem Selbstreflexion und Selbsterkenntnis stattfinden. Die emotionalen Zustände der Personen transportiert die Künstlerin vor allem durch die dargestellten Körperhaltungen als Spiegel der Seele – oft sind es zusammengekrümmte Posen, das Gesicht in den Händen vergraben oder vom herabfallenden Haar bedeckt. In den ausgewählten Bildausschnitten wie Rückenansichten, Perspektiven von oben, Close-ups, angeschnittenen oder ganz weggelassenen Gesichtern wahrt sie die Anonymität der Abgebildeten und schafft so Distanz zum Betrachter, der zum Beobachter, fast zum Voyeur der intimen Situation wird. Es sind Darstellungen von intensiven Lebensgefühlen wie Schmerz, Verzweiflung, Angst aber auch Freiheit oder dem Entdecken der eigenen inneren Kraft wie zum Beispiel in Midnight-dance von 2015. Die Isolation der Figuren wird durch Raumabstraktionen verstärkt - Traumsequenzen gleich, losgelöst von einer realen Umgebung. Der Handlungsort ist ein geistiger und fügt sich inhaltlich durch atmosphärische Farbsequenzen der Gestalt hinzu wie bei einer kinematographischen Nahaufnahme mit enormer Tiefen-Unschärfe. Chiffren einer écriture automatique werden als narratives Element eingesetzt, deren Dechiffrierung wiederum dem Betrachter obliegt.

In den Arbeiten der letzten Jahre gesellen sich vermehrt Märchen- und Fabelwesen zu den in sich gekehrten Frauengestalten, als verbildlichte Metaebene der Dualität ihrer Gefühlswelt, als Hoffnungsträger und unterstützende geistige Begleiter, die Leichtigkeit zulassen, humorvoll Auswege aufzeigen und das versöhnende Element in der Widersprüchlichkeit der Emotionen verdeutlichen. Das führt bis zum ironischen Rollentausch der Hauptakteure des Märchens vom Froschkönig im Gemälde frog-princess von 2018, wenn sich plötzlich die kleine Prinzessin im Schoß des überdimensionalen Frosches wiederfindet und beide ratlos der Umkehrung der Situation ausgeliefert sind.

Im Fokus der neuen Werkserie von 2017/18 stehen großformatige Frauenportraits, in denen sich Isabella Paier jeweils auf das Gesicht der dargestellten Person konzentriert. Sie begibt sich in ihrer Bildsprache auf neues Terrain, indem sie den psychologischen Moment nicht mehr durch die Körperhaltung sondern im Gegensatz zu den früheren Arbeiten durch Ausdruck und Mimik im Antlitz der Portraitierten übersetzt . Die kompositorische Spannung wird dabei durch die Nahansicht, die seitliche Position und die Blickregie erzeugt. Die zwei Portraits mit Narrenkappe scheinen den Betrachter unmittelbar anzusehen, schauen aber gleichzeitig durch ihn hindurch, als ob sie selbst in einen Spiegel blicken würden. Die Reflexion im Spiegel als Selbstreflexion? Isabella Paiers Gemälde eröffnen das weite Feld der Introspektion und ermöglichen dem Betrachter durch den Blick in innere Welten Selbstentdeckung im Kontext der eigenen Lebenssituation.

Mag. phil. Elisabeth Th. Winkler, Kunsthistorikerin, 2018

Wer dem Schaffen Isabella Paiers nur oberflächliche Blicke widmet, wird sich eher mit dynamischen oder graziösen Figuren konfrontiert sehen. Erst eine vertiefte Wahrnehmung verleiht dem Rezipienten Einsicht in die Seele der Künstlerin, deren Schaffensprozess ein Spannungsfeld zwischen Alltagssituationen einerseits und einer ideellen Wirklichkeit anderseits darstellt. Wem es gelingt die Dualität der Werke zu dechiffrieren, hat gute Karten Hoffnung zu schöpfen, trostlosen Bedingungen zu entfliehen.

Die scheinbar stimmigen Motive, verleiten den Betrachter sich spielerisch mit den Werken zu befreunden. Doch in zweiter und höherer Instanz zeigt sich ein dualer Aspekt, in dessen Botschaft ein tieferer philosophischer Sinn verborgen liegt.

Ihre Inspiration ist der Alltag. Oft jener grauer Alltag aus dem die Künstlerin ihre Wünsche manifestiert, aus ihm einen besseren zu machen.

Mag. Dietmar V. Gruber Institut für Kunst und Philosophie Kärnten

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